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Mittwoch, 7. September 2011

Contactlinsen bei trockenen Augen

Zahlreiche Menschen leiden unter Trockenheits-Symptomen der Augen. Dies kann an der Menge und Zusammensetzung der Tränen liegen oder durch ungünstige Umwelt- oder Arbeitsplatzfaktoren verursacht werden. So hat eine neue Studie der FH Aalen, Fachrichtung Augenoptik, ergeben, dass die Lidschlagfrequenz bei intensiver Arbeit am Bildschirm um 2/3 reduziert ist. Mit neuen Contactlinsen Materialien, welche die Flüssigkeit besser speichern, also feuchter auf dem Auge bleiben, lassen sich solche Probleme jetzt besser lösen. Diese Contactlinsen speichern die Flüssigkeit besser als andere, sie bleiben auch nach längerer Tragezeit unter ungünstigen Bedingungen weich auf dem Auge.
Als Meilenstein in der Contactlinsenentwicklung ist die Tages- & Nachtlinse zu sehen, die bis zu dreißig Tage auf dem Auge verbleibt. Dies ist durch ein innovatives Material möglich, die Sauerstoffversorgung des Auges wird direkt durch das Linsenmaterial gewährleistet, dadurch ist die Wasseraufnahme der Linse erheblich reduziert und ein verbesserter Tragekomfort bei trockenen Augen gewährleistet.
Ist ein Linsentragen tagsüber gar nicht mehr möglich, bietet sich als Alternative auch die "Dream-Lens" an, die nur während des Schlafens getragen wird.

Contactlinsen Pflege

Die Langzeitverträglichkeit von Contactlinsen hängt wesentlich von der richtigen Auswahl und Anwendung des Contactlinsen-Pflegemittels ab. Die Contactlinsenpflege muss auf den Tränenfilm des Trägers und das Contactlinsen- Material abgestimmt sein. Ein Wechsel des Pflegemittels sollte daher immer mit dem Contactlinsen-Spezialisten abgesprochen sein. Ein unkontrollierter Wechsel kann zu Komplikationen oder sogar zur Zerstörung der Contactlinse führen (siehe Contactlinsenpflege).

Ein-Tages-Contactlinsen

Die Ein-Tages-Contactlinsen hat sich als ideale Möglichkeit für gelegentliches Linsentragen bewährt. Sie kann bei trockenen Augen eine Alternative sein. Es ist zu beachten, dass neben der eingeschränkten Stärken- & Größenvielfalt, sie nur in bestimmten Fällen für Menschen mit reduzierter Tränenqualität geeignet ist. Eine sorgfältige Prüfung der Augen auf Eignung für diesen Linsentyp durch einen Contactlinsen Spezialisten ist Voraussetzung für das sichere Tragen von Ein-Tages-Contactlinsen (siehe Austauschlinsen).

Probetragen von Contactlinsen

95% aller Menschen können heute Contactlinsen tragen. Ob Contactlinsen vertragen werden, stellt der Contactlinsen Spezialist im Verlauf einer Probeanpassung fest. Dabei wird er neben der Vermessung der Augenstärke, der Analyse des Tragewunsches und der Trägerumgebung insbesondere die anatomische Besonderheit der Augenform und den individuellen Tränenfilm sorgfältig analysieren. Bei einem anschließenden Trageversuch wird die Verträglichkeit der Contactlinsen geprüft. Stellt sich nun eine seltene Contactlinsen Unverträglichkeit heraus, so entsteht dem Träger in der Regel nur eine geringe Dienstleistungsgebühr.

Tags :  ContactlinseAuge
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Samstag, 6. August 2011

Besser sehen - besser lernen

Jan Dominiczak ist Lehrer. Keiner von denen, die dem Klischee entsprechen, diesen Beruf wegen der vielen Ferien oder des Beamtenstatus ergriffen zu haben. Sondern einer, der sich für seine Schüler engagiert. Und dafür, dass sie richtig sehen können. Seine Erkenntnisse sind erstaunlich - auch wenn sie nicht jedem passen

Wenn Jan Dominiczak aus dem schwäbischen Maulbronn in den Heften seiner Schüler blättert, findet er nicht nur Rechtschreibfehler, sondern auch Sehfehler: Immer wieder stellt er fest, dass und wie eine nicht erkannte und vor allem nicht korrigierte Winkelfehlsichtigkeit die schulischen Leistungen seiner Schützlinge beeinträchtigt. Und daneben auch ihre Lebensqualität und ihre Zukunftschancen: "Ob ein Kind nach der 4. Klasse den Sprung ins Gymnasium oder in die Realschule schafft, ist nicht nur eine Frage des Wissens, sondern auch des guten Sehens", sagt er besorgt, denn sein Engagement ist nicht unumstritten. Augenärzte beargwöhnen sein Tun und seine Erkenntnisse sowieso, aber selbst manche Augenoptiker-Funktionäre stehen ihm skeptisch gegenüber. Vermutlich vor allem, weil es nicht sein darf, dass ein einfacher Grund- und Hauptschullehrer Dinge entdeckt und weiß, die sie selbst so gar nicht kennen.
Viele Lehrer, Eltern oder auch Ärzte benutzen bei Schreib- und Lesedefiziten lieber den Begriff "Legasthenie" als bequeme Erklärung, nicht selten mit dem Unterton "nicht doof, aber irgendwie doch". Etwa so, als müsse man sich eben nur ein bisschen mehr anstrengen, damit das Lesen und Schreiben besser klappt. Also geben Eltern eben Geld für Nachhilfestunden aus, obwohl ihnen wenig Hoffnung gemacht wird, da Legasthenie in Fachkreisen als nicht heilbar gilt und allenfalls gelindert werden könne. Dabei wäre oft der Besuch bei einem tüchtigen Augenoptiker oder Augenarzt der richtigere Schritt, um hier ein großes Stück weiterzukommen.
Die Problematik der Winkelfehlsichtigkeit kennt Jan Dominiczak aus eigenem Erleben: Er selbst trägt heute die Prismenbrille, die er vermutlich schon als Kind gebraucht hätte. Und vor zehn Jahren fiel ihm bei seiner Tochter auf, dass diese in der dritten Grundschulklasse deutliche Auffälligkeiten zeigte. Sie hatte zwar eine schöne Handschrift, aber gleichzeitig auch Schwierigkeiten mit der Dehnung und Schärfung bestimmter Worte, schrieb "n" statt "nn", "t" statt "d" oder Worte wie "hat" mit "tt". "Auch mit der Groß- und Kleinschreibung hatte sie Probleme, wollte nicht lesen, und Vorlesen war besonders schrecklich für sie", erinnert sich der engagierte Lehrer und Vater.
Durch Zufall erfuhren er und seine Frau von einem Augenoptiker, von dem es hieß, er messe Sehfehler "anders" und begnüge sich nicht damit, nur die Dioptrienwerte einer Fehlsichtigkeit festzustellen. In diesem Zusammenhang begegnete Jan Dominiczak erstmals der Fachbegriff "Winkelfehlsichtigkeit" und die bekannte "Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase" (MKH).
Zahlreiche Augenärzte und Wissenschaftler haben an dieser MKH, die heute viele Augenoptiker praktizieren, jedoch ihre Zweifel. Prof. Guntram Kommerell von der Augenklinik Freiburg, wo man sich unter anderem intensiv mit Schielbehandlungen und der Zusammenarbeit von Auge und Gehirn beschäftigt, hält diese Methode für "unwissenschaftlich"; ihre unbestreitbaren Erfolge begründet er lieber mit dem Placebo-Effekt. Nur einem Prozent der betroffenen Kinder könne durch eine Prismenbrille überhaupt geholfen werden. Ansonsten würden solche Brillen eher schaden, weil sich die Augen an die Brille gewöhnen. Eine ungewöhnliche Logik, mit der man eigentlich auch Schuhe verteufeln müsste, weil sich die Füße daran gewöhnen…
Doch ungeachtet der Skepsis der Wissenschaft gibt es einen Grundsatz, der über alles schulmedizinische Fachwissen erhaben ist: "Wer heilt, hat recht". Denn was wirklich zählt, ist nur das Ergebnis selbst - und nicht, ob dieses Ergebnis von der Wissenschaft bereits anerkannt oder überhaupt erwünscht ist. Auch wenn bestimmte wissenschaftliche Kapazitäten genau damit Probleme haben; vor allem dann, wenn solche Erkenntnisse nicht aus den eigenen Reihen stammen.
Die eingehende Untersuchung von Jan Dominiczaks Tochter vor zehn Jahren hatte jedenfalls eine Brille mit prismatischer Korrektion zur Folge - mit ganz erstaunlichen Auswirkungen: "In wenigen Wochen wurde sie zu einer solchen Leseratte, dass wir abends sogar die Sicherung herausdrehen mussten, damit sie mit dem Lesen aufhörte," staunt der Pädagoge noch heute.
Aber sein Forscherdrang war geweckt: Was bei der eigenen Tochter solche positiven Auswirkungen hatte, würde möglicherweise auch manchem Schüler helfen. Nicht zuletzt, weil Kinder sich in den letzten Jahren längst nicht mehr so viel bewegen wie früher, sondern große Teile ihrer Freizeit vor dem Fernseher oder dem Computer verbringen. Dabei geht es Jan Dominiczak nicht um die Frage, ob ein Computer oder Gameboy pädagogisch sinnvoller ist als das Versteckspielen im Freien, sondern darum, dass diese Tätigkeiten für ein Kind dauernden "Sehstress" bedeuten und die Regenerationsphasen für die Augen zu kurz kommen: "Einige Kinder kommen schon mit leeren 'Hirnbatterien', also ermüdet, in die Schule. Der Nachtschlaf reicht kaum aus, um genügend Energie aufzutanken, sondern nur noch für das Laden einer 'Notbatterie'."
Die unter Ärzten umstrittene MKH war für ihn jedenfalls der Schlüssel zum Verständnis des Problems. Denn damit war plötzlich plausibel, warum kluge und pfiffige Schüler, die mit komplizierten technischen Vorgängen problemlos umgingen, selbst einfache Wortbilder nicht richtig wiedergeben konnten. Und warum manche von ihnen in Klassenarbeiten eine Eins und andere eine Sechs schreiben - obwohl sie vom selben Lehrer unterrichtet wurden.
Die Erklärung dafür hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit dem Sehen: Beim Lesevorgang gleiten die Augen in so genannten Sakkaden über den Text, wobei jeweils nur wenige Buchstaben scharf gesehen werden. Werden die Buchstaben aber nicht scharf, eventuell sogar über- oder nebeneinander versetzt gesehen, entsteht Unsicherheit, die die Augen zurückschwenken lässt, um den Vorgang zu wiederholen. Und dann fällt es einem Kind schwer, Buchstaben zu sinnvollen Einheiten zu bündeln.
Aber nicht nur bei feinmotorischen Anforderungen wie beim Lesen und Schreiben, sondern auch im Schulsport konnte Jan Dominiczak immer wieder Auffälligkeiten beobachten: "Um nicht an Gegenständen hängen zu bleiben oder darüber zu stolpern, benötigt das menschliche Gehirn laufend Raumkoordinaten aus der Umgebung. Deshalb sind winkelfehlsichtige Kinder beim Laufen oft ungelenkig in ihren Bewegungen und stolpern leicht, weil ihre Koordinaten zum räumlichen Sehen einfach nicht stimmen."
Hier sah er Handlungs- und Erklärungsbedarf - und suchte immer wieder das Gespräch mit den Eltern dieser Kinder. Eines seiner besonders eindringlichen Beispiele für die Notwendigkeit der Behandlung ist die Schriftprobe eines Drittklässlers: Vor der Korrektur seiner Winkelfehlsichtigkeit war die Schrift des Jungen kaum lesbar. Er verwechselte "b" und "p", vergaß den Buchstaben "h" und verwendete so gut wie nie Doppelmitlaute wie "tt". Nach einer Augen-Operation gab der Junge ein selbst beschriebenes Blatt ab, das seine Lehrerin nicht annehmen wollte. Ihre Begründung: Der Schüler solle das Blatt nicht von seiner Mutter ausfüllen lassen.
Um seine Erkenntnisse und Beobachtungen auf solidere Füße zu stellen und vor allem, um sie über die Behauptung des Zufalls zu erheben, entwickelte Jan Dominiczak gemeinsam mit seiner Frau - ebenfalls Lehrerin - entsprechende Testbogen, teilweise mit standardisierten und damit vergleichbaren "Abschreibsätzen", teilweise auch als "Nachfahrbogen" für jüngere Schüler, bei denen die Handschrift aufgrund ihres Alters noch keine wirklichen Rückschlüsse auf das Sehen zulassen würde.

Nachfolgend sind zwei Testbogen als Beispiel vorgestellt:

Florian ist in der dritten Klasse und schreibt ohne Brille.

Mit einer prismatischen Brillenkorrektion ungefähr sechs wochen später ist Florians Schriftbild schon viel ausgeglichener.

 
Lars zeigte schon im Kindergarten Auffälligkeiten. Er trägt zwar eine Brille, kann aber nicht ausschneiden, ausmalen oder Papier falten. Sechs Wochen später mit einer geringen prismatischen Korrektion ist die Hand-Auge Koordination bereits erheblich verbessert. Gut zu erkennen beim Hausbild oder der Schlangenlinie.

Der "Vorher-Nachher"-Vergleich dieser Testbogen im Abstand von wenigen Monaten zeigt eindeutig: Je früher man eingreift und die Winkelfehlsichtigkeit behebt, desto problemloser verläuft die weitere Schulkarriere eines Kindes. Und da empfindet Jan Dominiczak die Verantwortung, sein Wissen an die Eltern betroffener Kinder weiterzugeben. Wie er überhaupt seine gesamte Tätigkeit nicht nur im Vermitteln von Lehrstoff oder Benoten von Klassenarbeiten sieht, sondern darin, die ihm anvertrauten Kinder möglichst optimal zu fördern, und zwar auf der ganzen Linie.
Deshalb nimmt er sich auch das Recht, diejenigen zu kritisieren, die sich nicht oder nur "mit halber Kraft" für die Belange von Kindern mit Sehstörungen einsetzen. Denn er sieht und kennt die weit reichenden Folgen nicht behandelter Winkelfehlsichtigkeit aus täglichem und eigenem Erleben genauso wie die unübersehbaren Fortschritte nach einer Korrektion. Aber Uneigennützigkeit wird in unserer Gesellschaft nicht immer geglaubt, nicht selten sogar argwöhnisch beäugt. Da werden ihm schon einmal unlautere Motive unterstellt, zum Beispiel, an einem Augenoptikerladen beteiligt zu sein. Oder zumindest Provisionen von Augenoptikern zu kassieren, wenn die von ihm betreuten Schüler dort eine Brille kaufen. Darüber lacht der engagierte Lehrer zwar; in Wirklichkeit verletzt es ihn aber sehr. Auch wenn er sich damit beruhigen könnte, dass die Verursacher solcher Gerüchte damit eigentlich nur etwas über sich selbst sagen und nicht über ihn.
Aufgeschlossene Eltern und Lehrer sind jedenfalls immer wieder überrascht, wie sehr sich vormals auffällige, unkonzentrierte und hyperaktive Kinder durch ihre Brille zum Positiven verändern, selbst wenn sie nur sehr kleine prismatische Werte haben. Manche Eltern berichten von einem neuen Schlafrhythmus, ausgeschlafenen und ausgeglicheneren Kindern. Auch daraus kann man den Schluss ziehen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ob das Defizit eines Kindes bei einer oder zehn Prismendioptrien liegt, sondern darauf, dass diese möglichst genau ermittelt und korrigiert werden. Und zwar nicht nur einmal, sondern in regelmäßigen Abständen.
Die weit verbreitete Annahme, dass eine solche Brille nur in der Schule oder bei den Hausaufgaben getragen werden müsse, ist übrigens falsch; nur eine konsequent den ganzen Tag getragene Prismenbrille kann dem Kind wirklich helfen, weil es sich nur dann nicht laufend auf verändertes räumliches Sehen einstellen muss. Dominiczak vergleicht das gern mit einem Schreiner, der einen Schrank bauen und abwechselnd mit der Einheit "Zoll" oder "Zentimeter" arbeiten soll: Auch das würde wegen der Notwendigkeit des dauernden Umrechnens die Anstrengung bedeutend erhöhen. Außerdem plädiert er dafür, dass die Krankenkassen sich an den Kosten der Prismenbrillen beteiligen. "Die leisten Ähnliches wie orthopädische Einlagen in Schuhen - und deren Nutzen zieht ja auch niemand in Zweifel."
Jan Dominiczak ist kein studierter augenoptischer oder augenärztlicher Fachmann; er will das auch gar nicht sein. Seine Erkenntnisse beruhen "nur" auf aufmerksamen Langzeitbeobachtungen seiner Schüler und seiner eigenen Kinder. Aber er will etwas verbessern. Vielleicht ist gerade das so beunruhigend und unbequem für die Ärzteschaft, die sich tagtäglich von Berufs wegen mit dem Sehen befasst: Dass ein Lehrer sich nicht darauf beschränkt, seinen Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, sondern sich auch noch mit großem Engagement darum bemüht, dass sie besser sehen - und in der Folge besser lernen.
Wenn seine Erkenntnisse auf breiter Front verstanden und umgesetzt würden, würde eine PISA-Studie in ein paar Jahren möglicherweise ganz anders aussehen…

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von der Zeitung EyeBizz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank

Tags :  Auge
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Freitag, 5. August 2011

Jüngste Erkenntnisse der Pränatal-, Säuglings- und Kleinkindforschung bestätigen, dass die Automatisierung der sensorischen Verarbeitung und Wahrnehmung in allen Sinneskanälen längst vor der Geburt einsetzt. Mit dem zweiten Lebensjahr ist sie bei ungestörtem Verlauf zu einer Reife gelangt, die als Voraussetzung auch für einen altersgerechten, unverzögerten und ungestörten Laut- und Schriftsprachbau gilt.
Automatiesierungsdefizite sind vor allem im Vorschulalter schwer zu diagnostizieren, da sie von den betroffenen Kindern oft durch intelligente, bewusst und unbewusst Ersatzstrategien für lange Zeit kompensiert werden.

Basale Automatisierungsdefizite als Ursache von Entwicklungen und -Störungen

Der neuartige Prüf- und Trainingsablauf nach Warnke hat das Interesse zahlreicher deutscher Therapeuten und breiter Kreise der Öffentlichkeit geweckt: Mehr als tausend deutsche Ärzte, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden und Sprachheilpädagogen arbeiten in ihren Praxen erfolgreich nach diesem Verfahren. Selbst eine Anzahl von Sozialpädiatrischen Zentren benutzen es schon teilweise und leihen sie an Familien für das häusliche Training aus.

1. Einführung

Ein Schüler gilt als leserechtschreibschwach, wenn er trotz mindestens durchschnittlicher Intelligenz und einwandfreiern Leserechtschreibunterrichts in diesen Fertigkeiten einen deutlichen Rückstand gegenüber seinen Mitschülern aufweist. Die mutmaßlichen Ursachen aus den letzten fünfzig Jahren füllen ganze Bände. In jüngerer Zeit jedoch kristallisieret sich zunehmend die Überzeugung heraus, dass zeitlich Automatisierungsdefizite, und zwar vor allem in der Hör- und Sehverarbeitung und - Wahrnehmung, die wichtigsten Ursachen sein dürften. Betrachten wir in diesem Lichte zunächst den heutigen Stand des Wissens um das Zustandekommen einer weitgehend automatisieren Schriftsprache:
Die Vorbereitungen auf den Erwerb der Lautsprache als wichtiger Voraussetzung für den späteren Schriftspracherwerb beginnen bereits beim Fötus etwa mit der 28. Schwangerschaftswoche: Von diesem Zeitpunkt an hört der Fötus schon Schall aus der Umgebung, allerdings um 30 dB gedämpft und mit einem steilen Hochtonabfall oberhalb 1.000 Hertz. MMN - ähnliche elektrische Aktivitäten ließen sich in den Gehirnen von gesunden Frühgeburten nachweisen, die in der 30. - 35.Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen waren:
das heißt, sie können auf unbewusster Ebene bereits bestimmte Laute voneinander unterscheiden. Das Neugeborene erinnert sich nachweisbar an Melodien, die es während des letzten Trimesters der Schwangerschaft gehört hat. Neugeborene können auch schon Vokale voneinander unterscheiden. Mit zwei Monaten kann der Säugling bereits die Plosivlaute b-d-g-k-p-t auseinander halten. Mit acht Monaten sind Säuglinge zu einer statistischen Strukturanalyse sinnfreier Silbenfolgen als Vorübung für die Segmentierung von Sätzen in einzelne Worte ebenso imstande wie zum Wiedererkennen sinnvoller Wörter aus zwei Wochen zuvor gehörten Geschichten. Etwa ab zwei Jahren können Kleinkinder bereits die Wohlgeformtheit syntaktischer Strukturen beurteilen, die sie aktiv noch gar nicht benutzen. Aus diesem für alle Kinder mit ausgeglichener Jahreshörbilanz typischen Ablauf lassen sich diese Folgerungen ableiten:
All diese Entfaltungen von offenbar genetisch angelegten Grundmustern entsprechend dem Kulturkreis des heranwachsenden Kindes verlaufen offenbar unbewusst und automatisch, sofern sie nicht gestört werden und sofern weiterhin lautsprachliche Vorbilder zugänglich sind. Weit vorauseilend dem Aufbau der Lautsprache legen der Säugling bzw. das Kleinkind also innere Repräsentationen auf der Phonem-, Morphem-, Semantik- und Syntax- Ebene an. Dank dieser gestaltfesten inneren Repräsentationen und der ständig zugänglichen lautsprachlichen Modelle seiner Bezugspersonen entwickelt das Kind problemlos eine altersgerechte, automatisierte Lautsprache. Auf dieser Grundlage lernt es in der Grundschule nach der analytisch- synthetischen Leselernmethode das selbsttätige Lesen auf der Graphem- Phonem- Ebene. Dank der dabei erlernten visuellen Zergliederung des gesamten Sprachgutes bis auf die Graphemebene bereitet diesen Kindern dann die Beherrschung der automatisierten Rechtschreibung ebenfalls keinerlei Probleme.
Anders bei Kindern, denen beispielsweise infolge genetischer Einflüsse, perinataler Einflüsse oder anhaltender auditiver Deprivation in den ersten Lebensjahren diese stetige Entwicklung nicht vergönnt war. Dabei ist nicht auszuschließen, dass der genetische Einfluss - zumindest teilweise - in einer Begünstigung des Auftretens rezidivierender Otitis media infolge IgA - Mangels auf den Schleimhäuten im Mund - und Rachenbereich bestehen könnte. Diese Kinder werden häufig lautsprachlich auffällig oder entwickeln kraft ihrer Intelligenz einen kompensatorischen, aber verschliffenen Lautsprachaufbau auf der Ganzwortbasis als Ersatzstrategie. Diese Kinder setzen ihre Ersatzstrategien durch Lesen auf Ganzwortbasis unter Kontextnutzung fort. Sie erkennen ein Wort im wesentlichen anhand seiner Anfangs - und Endbuchstaben. Diese Kinder schaffen sich somit auch keine inneren visuellen Vor - Bilder für ihre Rechtschreibung, sondern lautieren oder buchstabieren auf der auditiven Ebene mit zwangsläufigen Fehlern, da nur etwa 40% des deutschen Sprachgutes lautgleich geschrieben werden.
Nur bei einem verschwindend geringen Teil dieser Kinder kommen deren Bezugspersonen oder deren Lehrer auf den Gedanken, die Ursachen für deren Rechtschreibprobleme in der oben beschriebenen Kausalkette zu suchen. Die vollständige Untersuchung jedes Kindes im Verdachtsfalle durch eine phoniatrisch - pädaudiologische Institut wäre wirtschaftlich kaum zu vertreten. Aber selbst eine derartige Untersuchung deckt im Regelfalle nicht die weiteren Automatisierungsdefizite auf, zumal intelligente Kinder diese durch bewusste Kompensation oft für viele Jahre verschleiern können. Zu diesen mehr oder weniger erfolgreiche kompensierten, zumeist aber bisher höchst selten festgestellten Automatisierungsdefiziten gehören beispielsweise:

1.1. Winkelfehlsichtigkeit = Heterophorie mit Fixations - Disparation

Wenn die beiden Abbildungen auf der Fovea centralis, dem scharf abbildenden Teil der Netzhaut, inder zentralen Sehverarbeitung nicht zur Fusion gebracht werden können, wird dort das "schlechtere" Bild entweder unterdrückt (was langfristig zu Visusabfall führt) oder  im ungünstigeren Falle entsteht eine doppelte oder zwischen den Augen springende Abbildung, so dass hierdurch vor allem die Lesefähigkeit beeinträchtigt wird.

1.2. Sustained & transiert response = Gestörte visuelle Transientenverarbeitung

Wenn das Verhältnis zwischen dem verbleiben des Auges auf einer Buchstabengruppe, also die "sustained response" , zu den raschen Blicksprüngen (=Sakkaden) von einer Buchstabengruppe zur nächsten, der "transient response", zeitlich nicht ausgewogen ist, so dass eine Art "Nachbild" der vorigen Buchstabengruppe stehen bleibt, verschwimmen die zu lesenden Buchstaben miteinander und beeinträchtigen die Lesefähigkeit.

1.3. Blicktüchtigkeit

Wenn die Sakkaden, also beim Lesen das unter erwähnte rasch Hinüberschwenken von einer Buchstabengruppe zur nächsten, nicht präzise genug den neuen angestrebten Sehort treffen, sondern sich erst "einschließen" müssen, vergeht unnötige Zeit für das Erkennen der nächsten Buchstabengruppe.

1.4. Defizite in der auditiven Transienten - Dekodierung

Wenn die Übergänge vor allem von Plosiven auf nachfolgende Vokale mit ihrer rasch wechselnden Frequenzanteilen nicht präzise dekodiert werden können, entstehen Fehldeutungen bestimmter Phoneme. Dieses Paradigma dürfte die auditive Parallele  zu 1.2 darstellen.

1.5. Verlangsamte Segmentierung bei jeglicher Sprachdekodierung und - kodierung

Wenn die auditive Ordnungsschwelle, d.h. die Taktfrequenz, mit der das Gehirn sowohl die gehörte als auch die selbstproduzierte Sprache abtastet, nicht altersgerecht entwickelt, sondern verlangsamt ist, gehen wichtige Feinheiten der Phonemstruktur verloren, und es kommt zu Verwechslungen vor allem zwischen ähnlichen Plosiven.

1.6. Verzögerter Zugriff auf lexikalischen Wortschatz

Wenn die für das rasche Bennennen von gesehenen Gegenständen erforderliche Zeit auffällig verzögert ist - "rapid automized naming deficit" -, wird davon ausgegangen, dass die Fähigkeit des automatischen Zugriffs auf den eignen lexikalischen Wortschatz beeinträchtigt ist.

1.7. Beeinträchtigte auditiv - motorische Koordination

Wenn die Fähigkeit zum synchronen "Finger - Tapping" in Übereinstimmung mit einem auditiv vorgegebenen regelmäßigen Rhythmus nicht altersgerecht entwickelt ist, wird von einem Automatisierungsdefizit in der zeitgerechten Umsetzung des auditiven Reizmusters zwischen den beiden Hirnhälften über das Corpus callosum ausgegangen.

1.8. Verlangsamte Reaktionszeit bei Wahlmöglichkeiten

Wenn bei Vorhandensein einer altersgerechten Reaktionszeit auf einfache Reize hingegen die Reaktionszeit bei Wahlmöglichkeiten zwischen zwei oder mehr Reize, die sogenannte "Choice - Reavtion - Time", verlangsamt ist, wird von einer Automatisierungsschwäche im Entscheidungsprozeß ausgegangen. Diese Entscheidungsschwäche erstreckt sich von nonverbalen Tonsignalen bis zur Unterscheidung zwischen sinnfreien und sinnvollen Wörtern.

1.9. Beeinträchtigte Tonhöhenunterscheidung

Sprachauffällige Kinder haben erhebliche Schwierigkeiten beim Unterscheiden von Tonhöhenintervallen, die bei der Enkodierung und Dekodierung der Sprechmelodie wichtig sind, um sinngebend zu sprechen und sinnentnehmend zu hören. Dies wird vor allem auf ein Automatisierungsdefizit in der vorbewussten Frequenzunterscheidung zurückgeführt.

Tags :  AugeStörung
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Donnerstag, 4. August 2011

Um möglichst viele relevante Automatisierungsdefizite in einer für das betroffene Kind zumutbare Zeitspanne festzustellen, entstand eine selektive "Prüfung typischer zentralen Funktionen", die sich bis heute mehreren tausend Fällen als treffsicher bestätigt hat.

Vorangehen muss die Abklärung der Seh- und Hörfähigkeit. Diese Prüfung wird - möglichst in Anwesenheit der Eltern - durch einen in dieser Methode kompetenten Arzt oder eine Therapeutin vorgenommen. Die Eltern verfolgen somit die einzelnen Prüfschritte, können selbst die voraussichtlichen Trainingsbedarfe ihres Kindes abschätzen und sogleich etwaige Verständnisfragen oder Probleme vortragen:

1. Tonhöhenunterscheidung

Auf einem Keyboard im Bereich von 500 Hz dicht nacheinander kurz angeschlagene Tonintervalle sollen unterschieden werden, indem die Reihenfolge hoch - tief bzw. hell - dunkel abgefragt wird. Zumeist erreichen sprachauffällige Kinder anstelle des typischen und erreichbaren Halbtonschrittes nur die kleine oder große Terz.

2. Auge - Hand - Koordination

Ein 1 - m - Kunststoffstab (Installationsrohr PG - 16) soll mindestens 10 Sekunden auf der Schreibhand balanciert werden. Auch diese bei vielen Kindern bereits bei der Einschulung automatisierte Fertigkeit besitzen nur wenige sprachauffällige Kinder.

3. Blicktüchtigkeit

Eine große liegende Acht soll mit den Augen stetig verfolgt werden, wobei der Prüfende auf die Stetigkeit der Blickverfolgung achtet. Etwa die Hälfte der sprachauffälligen Kindern vermag dieser Bewegung nicht stetig, sondern - vor allem bei der Annäherung an die Mittellinie - nur mit sprungartigen Bewegung zu folgen.

4. Richtungshören

Kurze Töne und Rauschen aus einem handgehaltenen, batteriebetriebenen Generator sollen mit geschlossenen Augen geortet werden. Anstelle der für unauffällige Kinder typischen Abweichungen von maximal 5 Grad horizontal und 10 Grad vertikal ergeben sich meist größere Fehlortungen in beiden Dimensionen.

5. Binokularsehen

Im Nahfeld soll ein räumliches Testbild ohne Mühe rasch in allen Details erkannt und benannt werden. Im Fernfeld wird mit einer Rotgrün - Brille geprüft. Mehr als die Hälfte der sprachauffälligen Kinder zeigt ein bis dahin unerkanntes gestörtes räumliches Sehen.

6. Kurzzeit - Merkfähigkeit

In Anlehnung an den Mottier - Test soll eine altersgerechte Reihe sinnfreier Silben mit stetig verringertem Schwierigkeitsgrad nachgesprochen werden. Anstelle der altersgerechten Nachsprechleistung von Alter minus 1, jedoch nicht über sechs Silben, erreichen die meisten sprachauffälligen Kinder nur drei Silben.

7.1. Auditive Ordnungsschwelle

Zwei kurze auditive Reize von links und von rechts mit erfolgsabhängig veränderbarem Inter - Stimulus - Intervall sollen in eine Reihenfolge gebracht werden. Anstelle der altersgerechten Ordnungsschwellenwerte, die weiter unten bei den Trainingsmaßnahmen aufgelistet werden, erreichen die sprachauffälligen Kinder meist wesentlich langsamere Werte.

7.2. Visuelle Ordnungsschwelle

Zwei kurze Lichtblitze von links und von rechts mit erfolgsabhängig veränderbarem Inter - Stimulus - Intervall sollen in eine Reihenfolge gebracht werden. Hier liegen die Werte der sprachauffälligen Kindern fast immer in der oder sehr nahe bei der Norm, was eine gute Grundlage für das auditiven Ordnungsschwelle arstellt.

8. Lautunterscheidung = Wahrnehmungs - Trennschärfe

Acht kritische Konsonanten b - d -f - g - k - p - t - w, eingebettet in eine VKV - Folge, sollen unter erschwerten Bedingungen erkannt werden. Da der hier verwendete Test in Kunstkopf - Stereofonie und echten Klassenraumbedingungen aufgezeichnet wurde, ist seine Aussagekraft besonders stark. Die meisten sprachauffälligen Kinder zeigen dabei eine deutlich beeinträchtigte Wahrnehmungs - Trennschärfe.

9. Pseudotext - Lesetest

Zwecks Prüfung seiner Lesestrategie liest das Kind einen altersgerechten sinnvollen und anschließend einen Pseudo - Lesetest. Dabei bestätigt sich immer, dass diese Kinder sich eine logographische Lesestrategie unter Kontextnutzung angewöhnt haben, aber auf der Graphem - Phonem - Ebene deutlich langsamer und unsicherer sind. Abhängig vom Ergebnis dieser Screening - Prüfung wird gegebenenfalls eine weiterführende entwicklungsneurologische und / oder pädaudiologische Untersuchung empfohlen. Danach ist der tatsächliche Trainingsbedarf des betroffenen Kindes festzustellen und mit dessen Eltern abzustimmen sowie mit gegebenenfalls bereits laufenden anderen Fördermaßnahmen zu verknüpfen. Dieses Training baut weitgehend auf der obigen Auflistung der neun Prüfungsschritte auf, die gleichermaßen auch zum Einüben der für das Kind wichtigen basalen Fertigkeit geeignet sind. Dabei bedürfen das Ordnungsschwellentraining, das Lateraltraining sowie das Lesen von Pseudotexten zum Abbau der Probleme aus den Prüfungsschritten 7 bis 9 einer ausführlicheren Erläuterung.

Tags :  AugeMessung
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Mittwoch, 3. August 2011

1. Ordnungsschwellen

Training Die Ordnungsschwelle ist die Zeitspanne, zwischen zwei Sinnesreizen mindestens verstreichen muss damit wir sie getrennt wahrnehmen und in eine zeitliche Reihenfolge, also in eine Ordnung, bringen können. Sie beträgt etwa ab dem zehnten Lebensjahr 30...40 Millisekunden; darunter liegt sie mit jedem Lebensjahr um etwa 10 Millisekunden höher. Sprachauffällige Kinder weisen dagegen zumeist wesentlich längere Ordnungsschwellenwerte auf. Eine verlangsamte Ordnungsschwelle beeinträchtigt zwangsläufig die Lauterkennung. Trainiert wird die Ordnungsschwelle nach Warnke daheim durch synchrones Darbieten auditiver und visueller Sinnesreize mittels des Brain - Boy. Der Wirkungsmechanismus dieses Trainings beruht auf der im Vergleich zu auditiven Reizen um etwa 40 ms verlängerten Latenz visueller Reize, so dass die letzteren als Reinforcement der ersten wirken: Vor allem die meistens im Vergleich zur visuellen Ordnungsschwelle oft stark verlangsamte auditive Ordnungsschwelle sprachauffälliger Kinder wird mit diesem Gerät rasch auf altersgerechte Werte verbessert, so dass die Lautsprache nun feiner segmentiert und somit rascher und sicher perzipiert und produziert werden kann, wie ein bedeutender Psycholinguistiker mehrfach nachgewiesen hat.

2. Lateral - Training

Das Lateral - Training geht von den Erkenntnissen aus, dass "Wörter interhemisphären Netzwerken entsprechen, die über das Corpus callosum zusammengehalten werden", also bilateral organisiert sind, dass ferner das Corpus callosum bei LRS - Kindern häufig sowohl in seinem Querschnitt als auch in seiner Funktion beeinträchtigt ist und somit seinen Aufgaben der Koordination und Synchronisation beider Hirnhälften nur unzureichend gerecht werden kann. Beim Lateral - Training nach Warnke wird zum Training des Corpus callosum eine Modellstimme in Kunstkopf - Stereofonie abwechselnd beiden Ohren zugeführt, während das synchron mit dieser Modellstimme lesende oder singende Kind seine eigene Stimme stets von der entgegengesetzten Seite hört und sie so mit der Modellstimme gut vergleichen kann: Durch dieses Synchronsprechen mit der CD oder auch mit der Therapeutin wird zugleich der oben erwähnte Aufbau der in der ersten Lebensjahren des Kindes versäumten inneren neuronalen Repräsentationen nachgeholt, weil sowohl das Wernicke - als auch das Broca - Areal gleichzeitig intensiv angesprochen werden.

3. Lesen und Synchronsprechen von Pseudotexten

Bei den zahlreichen Kindern, die sich schon frühzeitig im Sinne diese Beitrages statt graphemisch - phonemischen Grundlesetechnik sogleich die logographische Lesetechnik unter Kontextnutzung angeeignet haben, empfiehlt sich zusätzlich der Einsatz von Pseudolesetexten. Diese müssen aber stets neu generiert werden, damit das Kind nicht in seine logographische Lesetechnik zurückfällt. Diesem Zweck dient das PC - Programm Text APP, ein Software - System, mit dem sich sinnfreie Texte (Sprachapproximationen) erzeugen lassen. Sie können ausgedruckt werden und dienen als Übungsmaterial und als Trainingshilfe. Das Programm wurde von Daniel Zahnd von der Universität Bern parallel im Rahmen eines LRS - Forschungsprogramms entwickelt, und zwar zu einem Zeitpunkt, als dieser Wissenschaftler noch keine Kenntnisse von den in diesem Beitrag beschreiben Verfahren hatte. Es ist überraschend und erfreulich zugleich, dass an zwei verschiedenen Orten aus zwei unterschiedlichen Ansätzen heraus unabhängig voneinander derart ähnliche Gedanken entwickelt wurden.

Tags :  AugeTherapie
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Dienstag, 2. August 2011

Die bisherigen ermutigenden Erfolgsberichte kommen zunächst aus den zahlreichen Familien, die - teils mit und teils ohne Therapeutische bzw. ambulante klinische Begleitung - das beschriebene Training eingesetzt haben, ferner von den in der Einleitung erwähnten mehr als tausend Ärzten sowie Therapeuten der verschiedenen Fachrichtungen, die das Verfahren in ihre bisherigen Methoden eingebunden haben.
Aus dem inzwischen ebenfalls stark zunehmenden Einsatz im schulischen Förderunterricht stammt die Berichterstattung des Rektors Claus D. Gnad von der Grundschule Automatisierungstraining bei zentralen Wahrnehmungsproblemen Obernkirchen. Autor: Fred Warnke, * Im Tannengrund 28 * 30 900 Wedemark * Tel 05130 - 66 13 * Fax 05130 - 6651 Literatur: (Besonders allgemeinverständliche Veröffentlichungen wurden durch Fettdruck hervorgehoben)
Die nachstehende Übersicht enthält neun Maßnahmen zu der sehr wichtigen Automatisierung grundlegender Teilfunktionen bei Kindern mit zentralen Wahrnehmungsproblemen. Bitte kreuzen sie in dem Quadrat neben der jeweiligen Ziffern die für Ihr Kind wichtigen Maßnahmen an. Die Übung sollen, soweit nicht im Einzelnen anders angegeben, täglich ein bis zwei Minuten durchgeführt werden, bis das jeweils angegebene Ziel erreicht ist. Danach genügt es, das Erreichte einmal pro Woche aufrechtzuerhalten. Bitte haben Sie Verständnis, dass Sie die dafür erforderlichen Erzeugnisse hier nicht erwerben können.

1. Tonhöhenunterscheidung

Sofern die Tonhöhenunterscheidung Ihres Kindes nicht altersgerecht entwickelt ist, kann für diese Übung ein Klavier, ein (Spielzeug - ) Keyboard oder ein kleines Glockenspiel benutzt werden. Unmittelbar nacheinander werden zwei Töne kurz angeschlagen. Zunächst ist ein größerer Abstand zwischen diesen Tönen, der danach - in Abhängigkeit vom Erfolg - immer kleiner wird und damit die Tonhöhenunterscheidung Ihres Kindes verbessert. Ziel: Kurz angeschlagene Halbtonschritte, also beim Keyboard oder beim Klavier zwei direkt nebeneinander liegende Tasten, rasch und sicher unterscheiden. Falls Ihr Kind dies allein üben soll oder möchte, empfiehlt sich der Sound - Trainer.

2. Auge - Hand - Koordination

Sofern die Auge - Hand - Koordination Ihres Kindes nicht altersgerecht entwickelt ist, sollte ein Elektriker - Montageohr PG - 16 von 18 mm Außendurchmesser und einem Meter Länge angeschafft werden. Am oberen Ende und in der Mitte wird es mit einem Isolierband in der Lieblingsfarbe des Kindes als Orientierungshilfe umwickelt. Das Kind soll dann zunächst im Stehen mit der Schreibhand, dann im Stehen mit der anderen Hand, danach im Sitzen mit der Schreibhand und schließlich im Sitzen mit der anderen Hand das Balancieren üben. Ziel: 10 Sekunden im Sitzen mit der Nicht - Schreibhand balancieren.

3. Liegende Achten zum Hemisphären - Training

Sofern sich bei diesem Vortest zum Richtungshören ergab, dass Ihr Kind die liegenden Achten mit den Augen nicht stetig, sondern nur mit Sprüngen verfolgen konnte, sollte es jeden Nachmittag vor den Schularbeiten folgende Übung durchführen: Es hält den Daumen zunächst der Schreibhand am gestreckten Arm in Augenhöhe vor die Körpermittellinie. Das wird der Mittelpunkt einer liegenden Acht, die es gleich in die Luft schreiben wird. Zuerst macht es eine kreisähnliche Bewegung nach links oder rechts oben und dann weiter im Kreis zurück bis zum Mittelpunkt. Nun führt es den Bogen zur anderen Seite nach oben und weiter, bis die liegende Acht vollendet ist, und verfolgt dabei seinen Daumennagel mit beiden Augen. Diese Übung macht es jeweils fünfmal mit der Schreibhand, fünfmal mit der anderen Hand und fünfmal mit beiden zusammengefalteten Händen. Ziel: Stetiges, ruckfreies Verfolgen der Bewegung mit den Augen.

4. Richtungshörvermögen

Sofern des Richtungshörvermögen Ihres Kindes nicht altersgerecht entwickelt ist, ist die folgende Übung sinnvoll: Das Kind sitzt daheim mit zunächst geschlossenen Augen in der Mitte des größten Raumes auf einem Stuhl. Ein Elternteil bewegt sich möglichst geräuschlos in wechselndem Abstand um das Kind herum und spricht - auch aus unterschiedlicher Höhe- jeweils eine sinnfreie Silbe, die mit b - d - g - k - p - t - beginnt, also beispielsweise "bi" - "ga" - "do" usw. Das Kind soll dann sogleich genau dorthin zeigen, von wo es die Silben gehört zu haben glaubt. Unmittelbar danach soll das Kind die Augen wieder kurzzeitig öffnen, um zu erkennen wie genau es die Schallquelle geortet hat, und die gehörte Silbe nachsprechen. Ziel: Rasch und sicher horizontal auf etwa 10 Grad genaues Zeigen auf den sprechenden Mund. In 2,5 m Entfernung entsprechen 5 Grad etwa 20 cm Abweichung und 10 Grad etwa 40 cm Abweichung. Falls das Kind allein üben soll oder möchte, empfiehlt sich der Richtungs - Hörtrainer.

5. Binokulare Fusion - Räumliches Sehen

Sofern die Binokulare Fusion Ihres Kindes, also sein räumliches Sehen, nicht altersgerecht entwickelt ist, sollte ein Augenoptiker aufgesucht werden, der in der Lage ist, eine binokulare Vollkorrektion durchzuführen. Auch bestimmte Augenärzte führen die dafür erforderlichen Messungen durch. Ein geeigneter Augenoptiker kann Ihnen von der Medi Tech genannt werden. Ziel: Anstrengungsfreies und unverkrampftes Lesen nach der binokularen Vollkorrektion durch ein Prismenbrille.

6. Kurzzeit - Merkfähigkeit

Sofern die Merkfähigkeit Ihres Kindes nicht altersgerecht entwickelt ist. Sollten Sie diese ebenfalls mit ihm trainieren. Dazu entnehmen Sie aus dem nachstehenden "Wort.- Ungetüm" an beliebigen und immer wieder neu wechselnden Stellen zunächst dreisilbrige, dann vier-, fünf- oder sechssilbige sinnfreie Wörter. Diese sprechen Sie dem Kind zunächst langsam und bei gutem Erfolg auch schneller vor. Das Kind soll diese exakt nachsprechen. Dabei gehen Sie von einer bestimmten Silbenzahl zur nächsthöheren erst dann über, wenn das Nachsprechen auf dieser Stufe selbst nach raschem Vorsprechen beherrscht wird. Anfänglich können die Silben durch Handbewegungen begleitet werden. Es ist ratsam, nach einigen Tagen neue Silbenreihungen zu schaffen, um ein mögliches Auswendiglernen zu umgehen. Li - ko - na - ti - pu - de - bo - gu - wa - n - to - me - ku - fa - si - pe - g - ba - no - fa - do - ru - le - nu - ho - ki - pa - se - mu - ti - bo - ra - fe -go -na -su Ziel: Erreichte Silbenzahlen = Alter - 1 Silbe, jedoch maximal 6 Silben.

7. Auditive Ordnungsschwelle

Die Ordnungsschwelle ist diejenige Zeitspanne, die zwischen zwei Sinnesreizen mindestens verstreichen muss, damit wir sie getrennt wahrnehmen und in eine zeitliche Reihenfolge, also in eine Ordnung , bringen können. Sie ist gewissermaßen der Takt des Gehirns. Sofern die auditive Ordnungsschwelle Ihres Kindes nicht den altersgerechten Wert, aufweist, ist ein auditiv - visuelles Synchron - Training von täglich zweimal 3 Minuten zu empfehlen, dass nur mit dem Brain - Boy möglich ist, um die zeitliche Verarbeitung von Hörreizen zu trainieren und so dem Kind das rasche Verstehen vor allem der kritischen Verschlusslaute b - d - g - k - p - t zu erleichtern. Ziel: Altersgerechte Ordnungsschwelle = Millisekunden.

8. Hemisphären

- Training mit dem Audio - Video - Trainer AVT 7000 II - in bestimmten Fällen auch mit dem Lateral - Trainer Professional - zu empfehlen. Dieses Training wird hier auszugsweise für die erste Trainingswoche des Kindes ausprobiert, damit ich feststellen kann, mit welchen Inhalten und in welcher zeitlichen Abfolge Ihr Kind das Training voraussichtlich bewältigen kann, so dass Sie und Ihr Kind eine klare Entscheidungsgrundlage für das Training und die Anschaffung haben. Ziel: Flüssiges synchrones Mitlesen aller Textvorlagen.

9. Visuelles Buchstabieren

Sofern das visuelle Buchstabieren Ihres Kindes nicht altersgerecht entwickelt ist, sollte folgende Übung mit täglich zwei bis drei Wörtern durchgeführt werden. Dabei wird zunächst mit vierbuchstabigen Wörtern begonnen und - in Abhängigkeit vom Erfolg - um jeweils einen Buchstaben gesteigert: Zusammen mit der Hand des Kindes schreibt ein Elternteil das schwierige Wort unter Benutzung des Stabes aus der Übung 2 in einen gedachten blauen Himmel oder an eine gedachte weiße Wand. Das Kind wird gebeten, sich dieses Wort anzuschauen und zweimal zu lautieren bzw. zu buchstabieren. Dabei ist darauf zu achten, dass das Kind nicht wieder in das auditive Buchstabieren zurückfällt was an seiner horizontalen Blickrichtung zu erkennen wäre. Wenn das Kind das Wort offenbar seiner Vorstellung "sieht", soll es abschließend das Wort noch einmal, und zwar rückwärts, buchstabieren. Das funktioniert nur, wenn sich das Wort auch tatsächlich sichtbar vorstellen kann.
Ziel: Fehlerfreies Buchstabieren - auch schwieriger Wörter - durch visuelles Vorstellen des Schirmbildes.

Weitere informationen:

J. Haase
Bürgermeister Heinz - Grundschule Berlin
Kreuzberg und 22. Grundschule Berlin 
Tel.: 030 25 88 64 12

Tags :  AugeTherapie
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Montag, 1. August 2011

Ergebnisse der CLAMP - Studie

Bei 116 Kindern zwischen acht und elf Jahren, die in einem Zeitraum von drei Jahren untersucht wurden, wurde ein geringerer Myopiezuwachs bein Tragen stabiler Contactlinsen nachgewiesen. Während die mit weichen Linsen versorgten Kinder nach diesem Zeitraum durchschnittlich -4,75dpt hatten, kamen die mit festen Linsen versorgten Kinder auf einen Durchschnittswert von -3,50dpt.

Den kompletten Orginaltext finden Sie unter: http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00009529

Tags :  AugeContactlinseCLAMP
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